LEINSAMENÖL

Ölgewinnung

Leinsamenöl kann auf unterschiedliche Art gewonnen werden.

Für pharmazeutische Zwecke werden die Leinsamen im Kaltpressverfahren (Kaltpressung)  rein mechanisch ausgepresst. Hierbei werden die reifen, je nach Pressenart, zerkleinerten oder ganzen Leinsamen mit Hilfe einer Presse entölt. Der Ölertrag ist abhängig von dem Durchsatz und von der Presstemperatur. Bei dieser Art der Pressung erreicht das Öl eine maximal Temperatur von 40°C. Vor der Verwendung müssen allerdings noch Trubstoffe  entfernt werden. Erreicht wird dies je nach Ölmühle durch verschieden Reinigungsstufen.

In erster Linie wird Truböl grob gereinigt und anschließend fein gefiltert. Eine Sicherheitsfiltration schließt den Reinigungsprozess ab. Alle diese Reinigungsstufen erfolgen effizient.

Als alternatives Reinigungssystem wird das Absetzen der Trubstoffe bei ausreichend langer Lagerung, und anschließendem Dekantieren des abgesetzten  Truböls eingesetzt.

Für technische Zwecke kommt dagegen die Heißpressung zum Einsatz. Hierfür werden die Leinsamen zunächst vorgewärmt bzw. erhitzt, dann warm in einer Schneckenpresse gepresst, so wird der maximale Auspressgrad erreicht.

Der Presskuchen kann für die Steigerung des Ölertrages noch mit Lösungsmitteln extrahiert werden. Da das auf diese Art gewonnene Leinöl noch Schleim- und Schwebstoffe enthält, wird das Öl anschließend noch raffiniert.

Es gibt aber noch zwei andere Arten von Leinöl: das Sonneneingedickte und das Geblasene. Das Erstere wird mehrere Monate lang in einer flachen Wanne, wichtig für eine möglicht große Oxidationsfläche, in die Sonne gestellt, wobei aber regelmäßig umgerührt werden muss, um eine Filmbildung zu verhindern. Bei Zweiterm kommt ein Belüfter zur Anwendung, welcher durch stetiges Umwälzen auch hier die Filmbildung verhindert. Die Vorteile dieser beiden Herstellungsmethoden bestehen darin, dass die Konsistenz zähflüssiger und die Volumenzunahme beim Trocknen gering, (reduziert die Gefahr von Runzel- und Rissbildung) ist, und dass das Leinöl gebleicht (heller) und die Trockenzeit verringert wird. Diese beiden speziellen Sorten des Leinöls kommen in der Malerei, besonders in der flämischen Barock-Malerei und beim Geigenbau zum Einsatz.

Ölpressen für die Verarbeitung von Leinsamen


Eigenschaften und Haltbarkeit

Abhängig von der Herstellungsart besitzt kaltgepresstes Leinöl eine gold-gelbe Färbung, während warm gepresstes Leinöl eher gelblich braun ist. Eine hell- bis goldgelbe Farbe hat dagegen das raffinierte Leinöl.

Der Geruch des Öls ist pyrazinartig, riecht leicht röstig und würzig nach Heu, wird als krautig bis dumpf beschrieben und kann eine fischige Note aufweisen.

Geschmacklich erinnert es an frisch geschnittenes Gras, schmeckt frisch leicht nussig und heuartig, nach Lagerung aber zunehmend bitterer und kratziger.

Wegen eines hohen Zerstäubungsgrades neigt Leinöl bei Raumtemperatur zur Selbstentzündung, ist aber mit einem Flammpunkt von etwa 315°C und einem Siedepunkt von über 350°C eher schwer entzündlich. Der Schmelzpunkt liegt bei etwa -16 bis -20°C.

Leinöl enthält zu mehr als 90% ungesättigte Fettsäuren, wobei der Anteil an Omega-3-Fettsäuren, der α-Linolensäure, etwa 45 bis 71 % ausmacht. Daneben findet man in diesem Öl etwa 17-23,5% Ölsäure und ca. 12-24% Omega-6-Linolsäure. Außerdem auch viele Vitamine und einen relativ hohen Gehalt an Mineralstoffen und an Vitamin E.

Da Leinöl sehr luftempfindlich ist, schmeckt es bereits nach kurzer Zeit bitter und wird schnell ranzig. Nach dem Öffnen sollte es kühl aufbewahrt werden. Aber selbst im Kühlschrank (bei ca. 4°C) bekommt es nach einigen Tagen einen etwas bitteren Geschmack und ist höchstens zwei Monate lang haltbar. Allerdings kann man das Leinsamenöl wegen seines niedrigen Schmelzpunktes auch im Tiefkühlfach aufbewahren, ohne dass es fest wird. Hier ist es über mehrere Wochen lang haltbar, ohne dass es den Geschmack verändert.

Für alle Leinsamenprodukte gilt, dass sie in dunklen, luftdicht schließenden Gefäßen gelagert werden sollten.


Verwendung

In der Pharmazie und Medizin

Laut dem "Lexikon der pflanzlichen Fette und Öle" und Markus Hartmann's "Öle - natürlich kaltgepresst"  besitzt Leinsamenöl mehrere positive Eigenschaften. Aufgrund des hohen Gehalts an Linolensäure in Leinöl, besitzt dieses eine lipidsenkende Wirkung. Außerdem kann dieses Öl einen erhöhten Cholesterinwert und den Blutdruck senken und dabei auch die Natriumausscheidung im Urin verringern. Zudem besitzt es eine antibakterielle Wirkung, kann das Gefäßsystem stärken, schädliche Ablagerungen vermeiden und die Bildung von Blutgerinnseln verhindern. Darüber hinaus wird Leinöl bei der Herstellung von Salben, Wundpuder, Naturseifen und dickflüssigem Einreibemittel eingesetzt.

In der Industrie

Leinsamenöl wird in der technischen Chemie eingesetzt. Hier wird es als Rohstoff für die Herstellung von Ölfarben, Öllacken, Linoleum und im geringen Umfang auch zur Bereitung von Schmierseifen, Kitt, Buchdruckerschwärze und Linimenten verwendet. Außerdem kann es als Farbbindemittel eingesetzt werden, da es eine polymerisierende Eigenschaft aufweißt.       

Ein weiteres Einsatzgebiet dieses Öls ist die Imprägnierung. Leinöl besitzt wasserabweisende Eigenschaften, gleichzeitig aber auch Diffusionsoffenheit, weshalb es für die Anwendung im Außenbereich bei starker Wetterbelastung geeignet ist. Es bildet einen wachsartigen Überzug und ist dadurch ideal für die Imprägnierung von Holz, Putz, Mauerwerk und Außenfassaden.

Darüber hinaus dient Leinöl als Zusatz- und Hilfsmittel. Es findet Verwendung bei der Herstellung von Auskleidungen, Verpackungen, Polituren, Schmiermitteln, Wachstüchern und pyrotechnischen Produkten. Um das Haftvermögen zu erhöhen wird es auch Latex-Farben beigemischt. Außerdem wird epoxidiertes Leinsamenöl als Stabilisator bzw. als Formgebung von Kunststoffen auf Vinyl-Basis eingesetzt.

In der Küche

Wegen des besonderen Geschmacks und da es nicht sehr stabil gegen Oxidation ist, ist der Einsatz von Leinsamenöl in der Küche eher gering. In Indien jedoch wird es häufiger zum Kochen und Braten verwendet. Sonst kommt es auch in Verbindung mit Senf, Erdnuss- oder Kokosöl vor. Und insbesondere in der Lausitz und in Schlesien wird dieses Öl in milchhaltigen Speisen wie Quark mit Kartoffeln, Gurkensalat oder saurem Hering in Sahnesauce verwendet. Die Milchspeisen werden durch die Ölschicht nicht so schnell sauer, was besonders im Sommer praktisch ist. Außerdem kann man es auch zu Gemüsegerichten und Rohkost verwendet.

In der Volksmedizin

Aufgrund des zellgenerierenden Effekts von Leinöl wirken Umschläge mit Leinsamenöl erweichend und schmerzlindernd und helfen so bei schmerzhaftem Hautriss, Verbrennungen und Hautschäden.

In der Veterinärmedizin

Wird dem Tierfutter Leinöl beigesetzt, so wirkt sich das nicht nur positiv auf die Verdauung von Hunden und Pferden aus, sondern kann auch zu glänzendem Fell bei Pferden und Hunden führen.  Aufgrund des verdauungsfördernden Effekt, wird es auch öfter als Abführmittel für Schafe und Pferde eingesetzt.

Der nach der Pressung übrige Presskuchen bzw. Leinkuchen wird an Nutztiere verfüttert oder als Düngemittel ausgebracht.


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Neben den eigenen, durch Pressversuche erworbenen Erkenntnissen wurden zur Erstellung des Artikels folgende Quellen verwendet:

  • Öle, natürlich kaltgepresst, Basiswissen & Rezepte, Marcus Hartmann, Hädecke, 2008
  • Heilende Öle, Pflanzenöle als Nahrungs- und Heilmittel, Neue Erkenntnisse, Günter Albert Ulmer Verlag Tuningen
  • Lexikon der pflanzlichen Fette und Öle, Krist, Buchbauer, Klausberger, SpringerWienNewYork, 2008
  • www.wikipedia.de
  • en.wikipedia.org

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